Neonaziaufmarsch in Dortmund Teil 1
Am vergangenen Samstag, dem 08.10.2016 fand im nordrhein-westfälischen Dortmund eine Kundgebung der Neonaziszene statt.
Der Anmelder der Veranstaltung: Marcel Kuschela, welcher in der Öffentlichkeit bislang vor allem unter dem Pseudonym “Captain Flubber” eine gewissen Bekanntheit erlangte.
Tatjana Festerling (hier rechts im Bild) welche in der Vergangenheit vor allem im Kontext mit der PeGIdA (“Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes”) auftrat,
Nach Intervention der Polizeibehörde wurde die als Demonstration angemeldete Veranstaltung in der nordrhein-westfälischen Metropole kurzerhand untersagt. Stattdessen musste sich GSD mit einer stationären Kundgebung in Bahnhofsnähe zufrieden gaben.
Entgegen der Ankündigung gegen eine etwaige Verbotsverfügungen alle rechtlichen Register zu ziehen, verzichteten die Organisatoren um Marcel Kuschela auf einen Einspruch gegen den Bescheid des Oberverwaltungsgerichts Münster.
Die Veranstaltung begann wie zuvor angekündigt gegen 14:00Uhr. Bereits eine Stunde zuvor versammelten sich die ersten Teilnehmer*Innen in der Nähe des Bahnhofes und auf dem zuvor ausgewiesenen Kundgebungsplatz.
Organisatorisch traten zu diesem Zeitpunkt vor allem Bremer GSD Aktivist*innen in Erscheinung. Auch Michael Hampe aus Bremen, einer der Organisatoren des GSD-eigenen Ordnerdienstes war am 08.10.2016 in Dortmund vor Ort.
Marcel Kuschela, aka “Captain Flubber” (links im Bild) koordinierte derweil die weitere Planung und Durchführung der Kundgebung…
… die zum Umfeld der Neonazigruppierung “Bürger gegen Politikwahnsinn” (BgP) gehörte. Einzelne Mitglieder der Gruppierung beteiligten sich im Vorfeld, wie auch am vergangenen Samstag, aktiv an der Ausrichtung der Veranstaltung.
Anhänger der Hooligangruppe “Berserker Deutschland” auf dem Weg zum Veranstaltungsort. “Berserker Deutschland” verfügt über mehrere Ortsgruppen in verschiedenen Bundesländern. Die Ortsgruppen werden von Anhänger*innen der Gruppierung als “Divisionen” bezeichnet. Im Vordergrund Mitglieder der “Divisionen” Wolfsburg und Braunschweig.
“Berserker Deutschland”: links “Division Celle”, rechts: Mitglied der “Division Wolfsburg”
Der im Vorfeld als Redner angekündigte Torsten Frank. Dieser gilt als Initiator der rechtsradikalen Kleinstgruppe “Bekenntnis für Deutschland”, die vor allem in den sozialen Netzwerken aktiv ist.
Auch die NPD-Jugendorganisation “Junge Nationaldemokraten” waren zu Beginn der Kundgebung mit einem Mitglied vertreten.
Als eine der maßgeblichen Führungspersonen von “Berserker Deutschland” gilt Achim Buonafede (hier links im Bild) von der “Division Wolfsburg”. Buonafede gilt unter anderem als Sympatisant der faschistischen “Fuorza Nuova” (FN) in Italien.
Nach Auskunft von Achim Buonafede besitzen die Strukturen von “Berserker Deutschland” dabei keine Überschneidung mit der Gruppierung “Berserker Pforzheim”. Buonafede bezeichnete deren Anführer in der Vergangenheit mehrfach als “Spinner” mit dem man “nichts zu tun” haben wolle. Es handele sich bei den “Bersekern Pforzheim”, so Buonafedes weiter, um eine eigenständige Gruppierung, die außer dem gleichen Namen keinen Bezug zu “Berserker Deutschland” aufweise.
Neben Mitgliedern aus Niedersachsen waren auch Vertreterinnen anderer Landesgruppen in Dortmund vertreten. Hier posieren u.a. Anhängerinnen mit der Fahne des “Division Sachsen-Anhalt”.
Auch einige Anhänger*innen der “Division Brandenburg” fanden den Weg nach Dortmund um an der Kundgebung teilzunehmen
Bevor angereiste Teilnehmer*Innen den Kundgebungsplatz betreten konnten, mußten diese durch eine von der Polizei eigens errichteten Kontrollstation. Dort fand eine Leibesvisitation statt.
Ein Großteil der Teilnehmer*innen hielt sich bis kurz vor Beginn der Veranstaltung jedoch damit zurück sich dieser Prozedur zu unterziehen. Stattdessen hielten sich Etliche bis kurz vor Veranstaltungsbeginn in unmittelbarer Nähe des nahegelegenen Bahnhofes auf. Nur nach und nach bewegten sich kleinere Gruppen zum eigentlichen Kundgebungsplatz.
Ein Grund für dieses Verhalten dürfte vor allem in der Präsenz von Bahnhofskiosken zu suchen sein…
… auffällig war die hohe Anzahl an alkoholisierten Teilnehmer*innen die sich vom Bahnhof her zum Kundgebungsort bewegten. Nach Angaben angereister Neonazis war der Konsum von “Alkohl und Kokain” bereits im Zuge der Anreise beträchtlich gewesen. Ein Umstand der sich auch im Verlauf der Kundgebung, zumindest im Bezug auf den Alkohol nicht wirklich änderte. Immer wieder bewegten sich Kleingruppen vom Kundgebungsplatz weg um am Bahnhof ungestört Alkohol zu konsumieren - dieser war auf der Kundgebung untersagt.
Die Polizei hatte zu diesem Zweck einen Container am Eingangsbereich der Polizeischleuse platziert, in welchem sich nach kurzer Zeit leere Getränkedosen stapelten. Auch fand nach Polizeiangaben stellenweise eine Alkoholkontrolle statt.
Auch die NPD aus Nordrhein-Westfalen war mit mehreren Mitgliedern in Dortmund zugegen. Rechts im Bild: der derzeitige NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer.
Ebenfalls vor Ort waren Mitglieder des sogenannten “Nationalen Widerstand Niedersachsen Ost” deren Aktivist*innen vor allem in der Region Salzgitter verortet werden.
Auch Mitglieder der im September 2012 vom niedersächsischen Innenminister verbotenen Neonazi-Gruppierung “Besseres Hannover” nahmen die Anreise nach Dortmund auf sich.
Der langjährige Neonazifunktionär Markus Privenau aus Bremen. Privenau bewegt sich derzeit im Kontext der neonazistischen Partei “Die Rechte” in Bremen und versuchte in den vergangenen Jahren, relativ erfolglos, eine Landesgruppe der antisemitischen Gruppierung “Europäische Aktion” in dem kleinen Bundesland aufzubauen.
Ebenfalls mit einem Redebeitrag in Dortmund angekündigt war der als “SS-Sigi” bekannte Neonaziaktivist Siegfried Borchert.
Borchert gilt als Gründer des Dortmunder Fußball-Fanclub “Borussenfront”, welcher fest in der neonazistischen Szene Nordrhein-Westfalens verankert ist.
Der Vorsitzende des NPD Unterbezirkes Ostfriesland-Friesland…
Ein Mitglied der Neonazigruppierung “Bürger gegen Politikwahnsinn” (BgP) beim Verteilen von Verkaufskatalogen der Rechtsrockband “Kategorie C”…
Ein Teil der im Verlauf der Veranstaltung zusehends alkoholisierten Teilnehmer*innen, dürfte die Reise nach Dortmund auch aufgrund des angekündigten Auftritts dieser Person angetreten haben… (siehe Fotostrecke Teil 2)
Zitieren
Recherche Nord: Neonaziaufmarsch in Dortmund Teil 1, Dortmund, 08.10.2016.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2016-10-08-1/