Neonaziaufmarsch in Dortmund Teil 2
Neonazis bei der Anreise...
Währenddessen kämpften die Veranstalter*innen um Marcel Kuschela mit technischen Problemen: Die Lautsprecheranlage versagte phasenweise ihren Dienst.
… und Torsten Frank konnten ihre Redebeiträge halten.
Im Vorfeld der Veranstaltung wurde auch der Auftritt der neonazistischen Musikgruppe “Oidoxie” und ihres Sängers Marko Gottschalk (Bildmitte) beworben. Oidoxie wird dem internationalen Netzwerk “Combat 18” zugerechnet, welches als bewaffneter Arm von Blood & Honour fungiert und deren Mitglieder in der Vergangenheit für Terroranschläge verantwortlich zeichneten.
Aus Mitgliedern der Band und der Dortmunder Kameradschaftsszene hat sich etwa 2003 die “Oidoxie Streetfighting Crew” gegründet. Der terroristischen Vereinigung wird vorgeworfen sich Waffen beschafft und für den Kampf trainiert zu haben. Anschlagspläne sollen diskutiert worden sein, es gab Schießübungen.
Gottschalk wurde in Dortmund unter anderm von Andreas Lohei (genannt “Lolli”) begrüßt. Lohei der in der Vergangenheit zum Netzwerk der internationalen tätigen Neonaziorganisation “Hammerskins” zuzurechnen war und als Frontmann der inzwischen aufgelösten Rechtsrockgruppe “Endlöser” in Erscheinung trat, gehört heute zu den Führungspersonen der Neonazigruppierung “Nordic 12”.
Ebenfalls in Dortmund zugegen: Robin Schmiemann. Der langjährige Neonazi soll Mitglied jener “Combat 18” Terrorzelle gewesen sein, die im Umfeld der Band Oidoxie gegründet wurde. Im Jahr 2007 hatte Schmiemann er einen Supermarkt in Brechten überfallen und dabei einen tunesienstämmigen Kunden angeschossen. Die Dortmunder Combat-18 Gruppe soll sich im Jahr 2006 aufgelöst haben, nur wenige Wochen vor dem NSU-Mord an Mehmet Kubasik in Dortmund. Im Jahr 2013 wurde zudem bekannt das es sich bei Schmiemann um einen Brieffreund von Beate Zschäpe handelte, mit dem sie seit ihrer Inhaftierung kommunizierte.
Die Verbindungen der Veranstaltungen ins terroristische Neonazimilleu manifestiert sich auch an dieser Person: William “the Beast” Browning. Der britische Neonazi gilt als Gründer und Anführer der in den 1990er Jahren gegründeten Terrororganisation Combat 18.
William James Browning gehörte zu den Mitgliedern der Blood & Honour Band “No Remorse”, eine, der bis zu ihrer Auflösung, wohl radikalsten Musikgruppen der White Power Bewegung. Browning gilt darüber hinaus als treibende Kraft hinter ISD Reords, einem der international bedeutensten Vertriebe für Neonazimusik.
Der Combat 18 Gründer war bereits am “Tag der Deutschen Zukunft” (TDDZ) am 4. Juni in Dortmund zugegen. Auch im Juni reiste Browning nicht alleine. Während des TDDZ in Dortmund bewegte sich Browning in einer größeren Gruppe von Blood & Honour und Combat-18 Aktivisten aus verschiedenen europäischen Ländern.
Am 04. Juni bewegte sich die Personengruppe um Browning vor allem im Block der “Kameradschaft Northeim” um den langjährigen Neonazifunktionär Thorsten Heise, mit dem Browning zeitweise im Gespräch vertieft war.
Die Anwesenheit des Combat 18 Gründers Browning sowie der angekündigte Auftritt der Combat 18 Musikgruppe Oidoxie dürfte dazu beigetragen haben das nun, ebenso wie bereits beim “Tag der Deutschen Zukunft” in Dortmund, abermals mehrere Anhänger*innen der neonazistischen Terrornetzwerkes zugegen waren.
Unter diesen befand sich auch der niederländische Combat-18 Aktivist Danny Janssen.
Janssen gehörte zu einer größeren Gruppe radikaler niederländischer Neonazis die sich am vergangenen Samstag in Dortmund einfand.
Auch Ed Polman, eine der wichtigsten Führungsfiguren der niederländischen Combat 18 Gruppe, war am vergangenen Wochenende in Dortmund zugegen.
Die niederländischen Combat 18 Aktivistinnen um Polman versuchten während der Veranstaltung in Dortmund den Combat 18 Gründer William Browning vor Fotographinnen weitestgehend abzuschirmen…
Bei einem weiteren Combat 18 Aktivisten aus den Niederlanden handelte es sich um Barry Kluft (Hier rechts im Bild)
Die anwesenden Mitglieder von Combat 18 bildeten phasenweise einen eigenen kleinen Block auf der Veranstaltung.
Ein Aktivist des “Brass Knuckle Brotherhood”. Die Gruppierung wird in den Niederlanden dem Umfeld von Blood & Honour und Combat 18 zugerechnet.
… zwei weitere niederländische Neonaziaktivisten…
… diese bewegten sich im Umfeld von Aktivist*innen der Neonazigruppierung “Landstorm Nederland”. Der Name bezieht sich dabei auf eine gleichnamige SS-Freiwilligen Division in den Niederlanden, welche am 10. Februar 1945 als Kampfttruppe gebildet wurde.
Patricia Visser und Johnboy Willemse: Aktivist*innen des sogenannten “Landstorm Nederland” während der Anreise.
Am Rande der Kundgebung entfalteten diese ein Transparent der neonazistischen Organisation.
Der Auftritt von Oidoxie verlagerte sich an das Ende der Veranstaltung. Marko Gottschalk wurde dabei lediglich auf der Gitarre begleitet.
Bildmitte: Combat 18 Gründer William Browning im Kreis der Seinen
Neonazis, die sich in Dortmund im Umfeld von Andreas Lohei (“Nordic 12”) sowie dem Organisationskern um Marcel Kuschela bewegten, schienen ebenfalls in “Ordnertätigkeiten” involviert. Ihre Aufmerksamkeit galt des anwesenden Fotograph*Innen
Rechts: Dominik Rösler, seines Zeichens ehemaliger GSD-Pressesprecher
Mitglieder der Partei “Die Rechte” aus Dortmund während der Anreise.
Die Partei “Die Rechte” organisieren sich unter anderem ehemalige Mitglieder der 2012 verbotenen Neonazigruppierung “Nationale Widerstand Dortmund” (NWDO) welche sich offen zum Nationalsozialismus bekannte.
Der Auftritt der Rechtsrockband Oidoxie schien sich jedoch entgegen der Erwartung einiger Teilnehmer*innen zu gestalten.
Kurz nach Beginn des Auftrittes zogen etliche Teilnehmerinnen zurück zum Bahnhofsgebäude. In der Folge ereigneten sich vereinzelte Übergriffen auf GegendemonstrantInnen und Pressevertreter*Innen.
Auch der Alkoholkonsum der angereisten Neonazis stieg beständig…
Das Organisationsteam welches kurz darauf das Ende der Kundgebung verkündete, schien von dieser Entwicklung sichtlich entrüstet.
Die Reisegruppe um Andreas Lohei (zweiter von links), welcher beim Auftritt von Oidoxie die Gitarre stellte, während der Abreise.
Marko Gottschalk und Anhang beim Verlassen des Kundgebungsplatzes…
Zitieren
Recherche Nord: Neonaziaufmarsch in Dortmund Teil 2, Dortmund, 08.10.2016.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2016-10-08-2/