Europakongress der "Jungen Nationalisten" (JN) in Riesa (Sachsen)
Vom 11. bis zum 12.05.2018 fand im sächsischen Riesa unter dem Motto [RE]generation EUROPA der 3. Europakongress der "Jungen Nationalisten" statt.
Die NPD-Jugendorganisation versuchte mit dem Kongress eine Vernetzungsplattform für Neonazis aus anderen europäischen Ländern zu schaffen.
Im Vorfeld wurde die Teilnahme von Neonaziorganisationen aus Tschechien, Italien, Serbien, Griechenland, Bulgarien, Polen, Kroatien, Rumänien, Spanien, der Ukraine und aus Russland angekündigt.
Neben Neonazis aus anderen europäischen Ländern versuchte die NPD-Jugendorganisation auch ihre Mitglieder aus den einzelnen Bundesländern zu mobilisieren.
Auch Tomislav Sunić, ein Apologet der sogenannten Nouvelle Droite (Neue Rechte) aus Kroatien fand sich anläßlich des Europakongresses im sächsischen Riesa ein. Sunić war dort als Redner angekündigt.
Der genaue Ort der Veranstaltung, zu der auch ein Rechtsrockkonzert gehörte, wurde von den “Jungen Nationalisten” im Vorfeld nicht veröffentlicht und Geheim gehalten.
Eine Taktik, der sich auch die verantwortlichen Behörden der Stadt Riesa anschlossen. Erst als ein Zeitungsartikel die Veranstaltung wenige Tage vor Veranstaltungsbeginn publik machte, nahmen die Behörden Stellung.
Auch die Taktik der Polizei in Riesa ließ nicht erkennen das der Veranstaltung eine große Bedeutung beigemessen wurde. Während sich am Samstag bereits in den frühen Morgenstunden Neonazis sammelten, fand die erste Einsatzbesprechung in der Polizeiinspektion Riesa trotz Kenntnis der Veranstaltung erst Stunden später statt.
Neonazis aus Bulgarien (rechts) während der Anreise.
Der Einsatz der sächsischen Polizei beschränkte sich im Verlauf der Veranstaltung auf stündliche Streifenfahrten. Erst in den Abendstunden wurde ein einzelnes Polizeifahrzeug zeitweise in Hörweite des Veranstaltungsort positioniert.
Anreisende Neonazis konnten so relativ unbeobachtet zum Veranstaltungsort gelangen. Vorkontrollen fanden nicht statt. Die einzige Personenkontrolle während des JN-Europakongresses am Samstag richtete sich gegen anwesende Journalist*innen, welche die Veranstaltung dokumentierten.
Auch das Neonazis die Verkehrsregelung beim Veranstaltungsort übernahmen, Absperrhütchen auf der Straße positionierten wurde durch die Polizei toleriert. Auf Nachfrage teilten die eingesetzten JN-Ordnerkräfte mit, dass es entsprechende Absprachen mit der Polizei Riesa gegeben habe.
Philipp Neumann (links) Sänger der Rechtsrockgruppe “FLAK” während der Anreise.
Bildmitte: Alexander Neidlein, ehamals stellvertretender JN-Bundesvorsitzender. Der aus Crailsheim stammende Neonazi diente 1993 im Bosnienkrieg in faschistischen kroatischen Milizen. Im Dezember 1993 überfiel Neidlein mit Gesinnungskameraden ein Postamt in Lübeck. Mit dem erbeuteten Geld wurde eine Reise nach Südafrika finanziert. Dort schloßen sich Neidlein und zwei weitere Neonazis einer neonazistischen Söldnergruppe an. Erst nach einem Feuergefecht mit der südafrikanischen Polizei bei dem einer der deutschen Neonazis getötet wurde, konnte Neidlein auf einer Farm in Boskop festgenommen und nach Deutschland abgeschoben werden.
Die Veranstaltung fand auf dem Gelände des “Deutsche Stimme Verlags” der NPD statt.
Blick auf die Umgebung des Veranstaltungsgeländes…
… um sich einen Überblick über die polizeilichen Maßnahmen zu verschaffen.
Im Zusammenspiel mit der Stadtverwaltung von Riesa konnte die JN am vergangenen Wochenende somit ihren Kongress nahezu ungestört durchführen.
Angesichts der “Polizeipräsenz” konnten etliche Neonazis entsprechend offen mit neonazistischer Symbolik durch das Stadtgebiet streifen.
Insbesondere da bereits Kleinkinder und Schuzbefohlene an der Veranstaltung teilnahmen hier nochmal ein kleiner Nachholunterricht für die sächsischen Behörden…
Zitieren
Recherche Nord: Europakongress der "Jungen Nationalisten" (JN) in Riesa (Sachsen), Riesa, 12.05.2018.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2018-05-12/