NPD-Demonstration in Hannover
Am Samstag, 23.11.2019, fand in Hannover eine Demonstration der Jungen Nationalisten, der Jugendorganisation der NPD, statt.
Diese Demonstration wurde bereits bei einer NPD-Wahlkampfkundgebung im April unter dem Motto angekündigt: „Hol dir deine Stadt zurück!“ - angesichts der Tatsache, dass zu dieser Kundgebung keine Teilnehmer*innen aus Hannover kamen, ein etwas ambitioniertes Projekt.
Das war vermutlich auch der Grund dafür, dass der Aufrufflyer und damit auch das Motto kurz vor der Demonstration noch überarbeitet wurden. Nun richtete sich die Demonstration gegen „linken Journalismus“, der an einigen Journalisten gezielt festgemacht wurde, aber auch gegen den NDR und gegen die GEZ-gebühren. Hinzu kam dann auch noch die Forderung „Gerechtigkeit für Karl“, die sich auf den ehemaligen SS-Mann Karl Münter bezieht. Münter, der am Massaker von Ascq beteiligt war und dafür in Abwesenheit in Frankreich zum Tode verurteilt wurde, hatte im Jahr 2018 sogenannte „Zeitzeugenvorträge“ gehalten , unter anderem im Haus von Thorsten Heise.
Heise, Mitglied des NPD-Bundesvorstandes, war aufgrund vorangegangener Äußerungen für diesen Tag von der Polizei mit einem Redeverbot belegt worden. Ein von der Polizei ausgesprochenes Verbot der gesamten Demonstration wurde vom Verwaltungsgericht gekippt.
Heise hetzt allerdings nicht erst seit kurzem gegen Journalist*innen. Auf einer NPD-Veranstaltung im Februar 2018 in Karlshöfen (Niedersachsen) sagte er in seinem Redebeitrag: „So weiß ich doch heute ganz genau, dass eines unserer Hauptfeindbilder diese Journaille sein muss“ , …
… um dann beim Tag der deutschen Zukunft (TddZ) 2018 Journalist*innen auch namentlich zu benennen und zu bedrohen.
Da für den Beginn der Demonstration unterschiedliche Uhrzeiten kursierten, zog sich bereits die Ankunftsphase sehr in die Länge: hier die ersten Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern.
Anmelder der Demonstration war Carsten Dicty (NPD)aus Goslar, der abseits des Landesverbandes agiert. Das führt immer wieder dazu, dass seine Veranstaltungen – wie auch hier in Hannover – keinerlei Unterstützung durch den Landesvorstand oder andere NPD-Mitglieder erhalten.
Die Versammlungsleitung hatte Joost Nolte inne. Nolte, der bis zum Jahresende 2017 dem „Kollektiv Nordharz“ angehörte und im Jahr 2018 ohne großen Erfolg versuchte einen Ableger der Partei „Die Rechte“ in Südniedersachsen aufzubauen, versucht nun sein Glück bei den Jungen Nationalisten. Wie auf der Demonstration zu sehen war, sind ihm aber nur wenige seiner ehemaligen Kameraden auf diesem Zickzackkurs gefolgt.
Nikolai Nerling, auf Grund seiner neofaschistischen Aktivitäten suspendierter Grundschullehrer, war als einer der Redner angekündigt. Nerling wuchs in der Nähe von Bienenbüttel in einem völkisch geprägten Milieu auf und stand vor kurzem wegen Volksverhetzung vor Gericht.
Bereits am Auftaktort der Demonstration, dem Bismarckbahnhof, fiel das enorme Polizeiaufgebot ins Auge. Neben zahlreichen Einsatzgruppen der Polizei waren 2 Reiterstaffeln, eine größere Anzahl Polizeihunde, Hubschrauber, mehrere Wasserwerfer , ein Räumpanzer und , später auf dem Maschsee, sogar ein Polizeiboot im Einsatz, …
…, was angesichts der nur etwa 100 Teilnehmer*innen absolut überdimensioniert erschien.
Ohne diese Unterstützung wäre die Teilnehmerzahl vermutlich im unteren zweistelligen Beriech geblieben, folgten doch nur wenige Mitglieder der JN dem Aufruf nach Hannover. Neben dem Landesvorsitzenden Sebastian Weigler waren nur einige wenige JN-ler*innen aus Braunschweig, Hildesheim und Brackel vor Ort.
Aus Oldenburg reiste die Kleinkünstlerin Imke Barnstedt an. Die Schauspielerin bewegt sich im neonazistischen Milieu, speziell in Kreisen, die den Holocaust leugnen.
Daher ist es auch kein Zufall, dass Barnstedt im Block der Partei „die Rechte“ lief, die auf ihrem Transparent Freiheit für die inhaftierte notorische Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel forderte.
Barnstedt nahm bereits im Jahr 2003 an einem Treffen auf der Wartburg teil, bei dem auf Transparenten der Holocaust geleugnet wurde.
Unter den Teilnehmer*innen befand sich auch Stanley Röske (rechts) aus Hessen. Röske gilt als Führungsmitglied von C18 und ist Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren wegen Weiterführung von „Blood&Honour“ Deutschland.
Auch Robin Schmiemann aus Castrop-Rauxel (links) war nachweislich Mitglied bei C18, bevor er wegen eines Überfalls auf einen Supermarkt, bei dem er eine Person lebensgefährlich verletzte, 2008 für mehrere Jahre ins Gefängnis ging.
Schmiemann trug auf der Demonstration ein offensichtlich speziell für diesen Anlass bedrucktes T-shirt.
Seit einiger Zeit ist auch Sven Wellhausen wieder häufiger auf neofaschistischen Aufmärschen zu sehen ( hier mit Mitgliedern der JN aus Brackel). Wellhausen war einer der ständigen Bewohner des Heisenhofes in Dörverden, den der Rechtsanwalt Jürgen Rieger in den Jahren 2004/2005 zu einem nationalen Zentrum ausbauen wollte. Damals benannte auch Rieger bereits in einem Interview Journalist*innen als Feindbild.
Als Versammlunsleiter hatte Joost Nolte die Aufgabe die Auflagen zu verlesen. Das gestaltete sich etwas schwierig, da die Lautsprecheranlage nicht recht funktionierte, sodass Nolte einige Passagen zweimal vorlesen musste.
Mit ziemlicher Verspätung startete dann die Demonstration. Die Demonstrationsstrecke verlief zuerst vom Bismarckbahnhof zum Maschsee. Am dortigen Funkhaus des NDR sollte eine Zwischenkundgebung abgehalten werden.
Wiederholt kam es auf der Strecke zu Stockungen durch Sitzblockaden. Etliche der etwa 7000 Gegendemonstrant*innen hatten es geschafft, bis zur Aufmarschstrecke vorzudringen.
Dabei wechselte auch eine Fahne kurzzeitig die Seiten.
Erster Redner der Kundgebung am Funkhaus war Sebastian Weigler. Weigler war in seiner Rede sichtlich bemüht alle vorher angekündigten Demonstrationsthemen abzuarbeiten, ohne dabei in den Fokus polizeilicher Ermittlungen zu geraten. Ein Vorhaben, das bei den Teilnehmer*innen nur für müden Applaus sorgte.
Auch von Nikolai Nerling, der als Zweiter sprach, hatten sich wohl alle etwas Anderes erwartet. Nerling beschwor die Einheit der rechten Szene, wobei er NPD, Die Rechte, den 3.Weg und die AfD zusammen mischte. Sein stockend vorgetragener Beitrag lässt vermuten, dass auch er darauf bedacht war keine verfänglichen Äußerungen zu machen.
Auch Sven Skoda , dem Bundesvorsitzenden der Partei „Die Rechte“, gelang es in seiner Rede nicht den Themenwirrwarr verständlich rüberzubringen, obwohl er sich viel Mühe gab, seinen Zuhörer*innen verständlich zu machen, warum jetzt nach der AfD auch die „rechte Bewegung“ gegen GEZ-Gebühren protestieren müsse.
Nach wiederum längerer Wartezeit setzte sich der Demonstrationzug dann im Dunkeln wieder in Bewegung in Richtung Aegidientorplatz, dem Endpunkt der Demonstration. Hier verabschiedete Joost Nolte die Teilnehmer*innen in aller Kürze, bevor diese von der Polizei geschlossen in die nächstgelegene U-Bahnstation geleitet wurden.
Zitieren
Recherche Nord: NPD-Demonstration in Hannover, Hannover, 23.11.2019.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2019-11-23/