DS-Netzwerktreffen in Eisenach
Etwa 60 Personen aus den Strukturen der extremen Rechten nahmen am vergangenen Samstag am 1. Netzwerktreffen der NPD-Publikation "Deutsche Stimme" (DS) im "Flieder Volkshaus" in Eisenach teil.
Die Veranstaltung sollte der Bandbreite der extremen und offen neonazistischen Rechten eine Plattform bieten, um partei- und organisationsübergreifend Zukunftsstrategien zu diskutieren und zu entwickeln. Auch Patrick Schröder (links im Bild) vom “Medienportal FSN” war in Eisenach vor Ort. Schröder ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Neonazi-Kleidungsmarke “Ansgar Aryan”.
Auch ging es in Eisenach darum, tragfähige Netzwerke und Allianzen für die Landtagswahl 2024 in Sachsen zu knüpfen. Damit zusammen hängt auch die beabsichtigte Transformation der NPD in eine Bewegungspartei (“Die Heimat”), deren zukünftige Aufgaben darin bestehen sollen, Infrastruktur und personelle Unterstützung bereitszustellen. Aus diesem Grund waren Vertreter:innen verschiedenster Organisationen eingeladen, darunter NPD, Freie Sachsen, (ex-)AfD, Die Rechte, Coronaleugner:innen und Querdenker:innen.
Aus Mecklenburg-Vorpommern reiste Dennis Augustin (Bildmitte) nach Eisenach. Der ehemalige AfD-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern wurde verlor 2020 seine AfD-Mitgliedschaft, nachdem bekannt wurde, dass er Ende der 80er Jahre an einer internen NPD-Kaderschulung in Norditalien teilgenommen hatte. Daher ist es nicht überraschend, dass Augustin gemeinsam mit NPD-Funktionären nach Eisenach reiste.
Augustin saß gemeinsam mit Frank Franz, Nicole Schneiders und Jens Woitas zum Thema “Das heterogene Netzwerk - Grenzen, Chancen, Möglichkeiten und Risiken” auf dem Podium.
Außerdem waren eine Reihe von Kleinstorganisationen und neonazistischen Unternehmer:innen vor Ort, darunter “Die Thüringer Heimatpartei”, der “Sturmzeichen”-Verlag und Tommy Frenck (Gasthaus “Goldener Löwe”.
Neben Claus Cremer (rechts im Bild), NPD-Landesvorsitzender von NRW und Betreiber des Telegram-Kanals “Blickpunkt TV”, war auch auch der sich derzeit wegen Nötigung und Körperverletzung in Haft befindende Matthias Drewer bei dem Treffen in Eisenach zugegen. Dieser nutzte einen genehmigten Freigang, um an der Veranstaltung teilzunehmen.
Mit Victor Brühl (Bildmitte) war auch ein Mitglied des aktuellen JN-Bundesvorstands nach Eisenach gereist.
Die Veranstaltung bestand hauptsächlich aus drei Podiumsdiskussionen mit anschließeden Projektvorstellungen.
Aus Hessen waren mit Daniel Lachmann und Stefan Jagsch Teile des NPD-Landesvorstands angereist.
Ebenfalls vor Ort war das NPD-Bundevorstandsmitglied Alexander Neidlein aus Baden-Württemberg.
Jens Woitas (hier im Bild) war bis 2020 Mitglied der Partei “Die Linke” und sucht seit mehreren Monaten die Nähe zur NPD und den “Freien Sachsen”
Für die Diskussionsrunde “Aus alt mach neu - Kann sich die alte Rechte neu erfinden?” war auch der ehemalige AfD-Abgeordnete und Rechtsanwalt Dubravko Mandic eingeladen, welcher 2021 aus der Partei ausgetreten war, um einem Ausschlussverfahren zuvor zu kommen.
Mandic wurde von den Anwesenden (hier der Neonazi-Aktivist Patrick Schröder) bei der Ankunft herzlich begrüßt.
Mit auf dem Podium saß Michael Brück, ehemaliger Funktionär der Partei “Die Rechte”, welcher mit seinem Umzug nach Chemnitz zu den “Freien Sachsen” und als Mitarbeiter in die Rechtsanwaltskanzlei von Martin Kohlmann (ebenfalls Freie Sachsen) wechselte. Brück erschien gemeinsam mit Neonazis aus Dortmund beim Netzwerktreffen.
Zusammen mit Thomas Sattelberg debattierten Sascha Krolzig (Die Rechte) und Peter Töpfer (Bildmitte). Der selbsternannte Nationalrevolutionär Töpfer propagierte zu Beginn der 2000er einen “Nationalanarchismus” und tritt heute als Leiter des “Instituts für Tiefenwahrheit” in Erscheinung.
Zur Diskussionsrunde um Mandic gehörte auch Arne Schimmer. Schimmer, der sich bei der NPD mit wirtschaftspolitischen Themen beschäftigt, veröffentlicht anonym für den Antaios-Verlag des neurechten Vordenkers Götz Kubitschek und sein “Institut für Staatspolitik” (IfS).
Der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz während der Anreise in Eisenach.
Anreisende Teilnehmende wurden von der Polizei durchsucht und ihre Personalien wurden festgestellt. So auch bei Thomas Sattelberg und Sebastian Reiche. Sattelberg wurde als Rädelsführer der verbotenen “Skinheads Sächsische Schweiz” (SSS) geführt und gilt als Mitverantwortlicher des sogenannten “Haus Montag”, einer neonazistischen Immobilie in Pirna, in dem sich auch NPD-Parteibüros befinden.
Sattelbergs Begleiter Sebastian Reiche (rechts) ist als Hooligan und Türsteher bekannt und wird dem in Deutschland verbotenen Netzwerk von Blood&Honour zugerechnet.
Zum Rahmenprogramm des Netzwerktreffens gehörte der Auftritt der Liedermacherin Karin Mundt, die vor allem unter dem Pseudonym “Wut aus Liebe” auftritt. Mundt hatte auch beim letzten NPD-Bundesparteitag einen Auftritt und wird den Strukturen der NPD in Schleswig-Holstein zugerechnet.
Unter den Teilnehmenden befand sich auch Melanie Dittmer. Dittmer hatte in den letzten Jahren relativ erfolglos die “Identitäre Aktion” gegründet, von der sich sogar die “Identitäre Bewegung” (IB) öffentlich abgrenzte.
Zitieren
Recherche Nord: DS-Netzwerktreffen in Eisenach, Eisenach, 10.09.2022.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2022-09-10/