Fehlgeplante Kundgebung in Magdeburg
Am 21. Januar 2023 führte die neonazistische »Neue Stärke Partei« (NSP) eine Kundgebung in Magdeburg durch.
Die Mobilisierung zu der Veranstaltung lief relativ kurzfristig. So wurde die Veranstaltung erstmals am 13. Januar, knapp eine Woche vor Veranstaltungsdatum über den Telegramkanal der »Neue Stärke Partei« beworben. Neben gruppeninterner Mobilisierung gab es keine, zumindest keine öffentlichkeitswirksamen Versuche die Veranstaltung zu bewerben.
Erste Teilnehmende sammelten sich ab 14 Uhr beim Vorabtreffpunkt am Neustädter Bahnhof in Magdeburg. Dort wurde jedoch nicht lange verweilt - in Kleingruppen zogen anreiste Neonazis dann zum eigentlichen Kundgebungsort, dem Neustädter Friedhof an der Lübecker Straße in Magdeburg. Die Anreise verlief schleppend: wenige Minuten vor dem eigentlichen Veranstaltungsbeginn sammelten sich lediglich etwa 25 Personen vor dem Eingangstor des Friedhofs. Eine Zahl die dann im Verlauf des Tages nur unwesentlich anwuchs. Am Ende konnte die neonazistische Splitterpartei insgesamt 35 Personen mobilisieren.
Der ursprüngliche Plan der Neonazis eine »Gedenkkundgebung« auf dem Friedhof durchzuführen scheiterte an der Friedhofsverwaltung - diese erklärten den Friedhof kurzerhand für geschlossen. So mussten die »Neue Stärke« ihre Kundgebung vor dem Eingangstor des Neustädter Friedhofs durchführen. Teilnehmende posierten anschließend mit Fahnen der Neonaziorganisation vor dem Eingangsbereich. Das es der Neuen Stärke Partei weniger um das »Gedenken« der Bombardierung Magdeburgs im 2. Weltkrieg ging sondern vielmehr allgemein um Propaganda zeigte sich auch am mitgeführten Transparent. So wurde hier auf einen Ortsbezug verzichtet.
Mit etwa einstündiger Verspätung, gegen 16:00 Uhr begann dann die eigentliche Kundgebung. Die Veranstaltungsteilnehmenden führten dabei vereinzelt Fackeln mit. Die Polizei, welche die Kundgebung mit einem großen Aufgebot begleitete, erlaubte deren Verwendung. Eröffnet wurde die Kundgebung durch einen Redebeitrag des Neonazis Florian Reibe aus Erfurt der augenscheinlich mit aufkommenden Wind zu kämpfen hatte. Daneben gab es Musik aus der »Konserve« - über zwei aufgestellte Boxen wurden neonazistische Musikstücke dargeboten. Als zweite und letzte Rednerin trat dann die Neonazistin Sabrina Töpfer von der Gruppierunbg Neue Stärke Erfurt ans Mikrophon.
Den angereisten Neonazis wurde von der Versammlungsbehörde zugestanden, zwecks Abreise einen Aufzug bis zum Neustädter Bahnhof in Magdeburg durchzuführen. Der dann einsetzende Demonstrationszug stoppte allerdings nicht an der Rückseite des Neustädter Bahnhof, sondern bewegte sich anschließend wieder zum Friedhof. Dort wurde die Veranstaltung dann vollends für beendet erklärt. Die angereisten Neonazis bewegten sich abschließend in Kleingruppen vom Veranstaltungsort weg.
Der Friedhof war verschlossen. Die Gruppe sammelte sich daraufhin vor den Eingangstoren.
Dass der Friedhof verschlossen war, war den Veranstaltungsteilnehmer:innen sichtlich unangenehm und peinlich.
Die ankommende Gegendemonstration war für den Teilnehmenden der gescheiterten Kundgebung eine Provokation.
Die Partei nutzte die Zusammenkunft nur vordergründig zum Gedenken. Es wurde schon bei der Ankunft Alkohol konsumiert, gepöbelt, gewitzelt und viel rumgemackert. Trauerstimmung kam nicht auf. Andere rechte Parteien und Gruppen legen hier mehr Wert auf ihr auftreten.
Die Fackeln wurden noch bei Tageslicht angezündet.
Florian Reibe hielt die erste Rede. Er nutzte eine Wortwahl, die sonst verwendet wird die Shoa / den Holocaust zu beschreiben.
Sabrina Töpfer hielt zwei mal die gleiche Rede an diesem Abend.
Zitieren
Recherche Nord: Fehlgeplante Kundgebung in Magdeburg, Magdeburg, 21.01.2023.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2023-01-21-md/