Auflösung der "Jungen Alternative" in Apolda
Am Wochenende des 1. Februar 2025 beschloss die "Junge Alternative" (JA), die Jugendorganisation der AfD, ihre Selbstauflösung.
Am Wochenende des 1. Februar 2025 beschloss die “Junge Alternative” (JA), die Jugendorganisation der AfD, ihre Selbstauflösung.
Vorausgegangen war die Einstufung der JA durch den Verfassungsschutz als “gesichert rechtsextrem”.
Die AfD-Parteiführung hatte bereits zuvor mit ihrer Jugendorganisation gehadert: Da die JA als eingetragener Verein organisiert war, verfügte die Partei über kaum formale Durchgriffsrechte.
Zugleich sorgte die Radikalität einzelner JA-Akteur:innen und deren fehlende Abgrenzung zu neofaschistischen und neonazistischen Organisationen immer wieder für Befürchtungen, dass der JA ein Organisationsverbot drohen könnte – mit potenziell negativen Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung und auf Wahlergebnisse der AfD.
Die Auflösung trat zum 31. März dieses Jahres in Kraft.
Die mangelnde Distanz der JA zu extrem rechten Strukturen war umfassend dokumentiert: Trotz der offiziellen Unvereinbarkeitsliste der AfD gab es faktisch keine Abgrenzung zur “Identitären Bewegung”; gemeinsame Teilnahmen an Veranstaltungen waren üblich.
Darüber hinaus wurden sogar gemeinsame Wanderungen mit Aktivisten der neonazistischen “Jungen Nationalisten” (JN) festgehalten – einer Organisation, deren Jugendstrukturen nachweislich auf nationalsozialistische Indoktrinierung abzielen.
Teilweise ließ sich die JA in ihrer politischen Strategie auch von JN-naher Bildungsarbeit, darunter Formate wie “Metapol”, beraten.
Diese strukturelle und inhaltliche Nähe zum extrem rechten Spektrum wurde durch die Vereinsstruktur der JA begünstigt: Sie war nie ein integraler Bestandteil der AfD, sondern 2013 eigenständig gegründet und erst später von der Partei als Jugendorganisation anerkannt worden. Damit blieb ihr Auftreten der direkten Kontrolle der Bundespartei weitgehend entzogen.
Mit der geplanten Neugründung einer parteiintern organisierten Jugendorganisation ändert sich dies grundlegend. In der neuen Struktur sind alle Mitglieder zugleich AfD-Mitglieder und unterstehen damit der unmittelbaren Aufsicht der Bundespartei.
Das erschwert nicht nur mögliche Organisationsverbote – da ein solches nun die Gesamtpartei erheblich stärker betreffen würde –, sondern ermöglicht der AfD auch einen deutlich engeren Zugriff auf ihr jugendliches Vorfeld.
Zugleich eröffnet eine solche Jugendorganisation der Partei neue Möglichkeiten: Sie kann Nachwuchs rekrutieren, langfristig an die Partei binden und gezielt aus milieunahen Strukturen wie Burschenschaften schöpfen.
Darüber hinaus dürfte sie die Verzahnung mit dem außerparlamentarischen rechten Vorfeld weiter intensivieren – einem Umfeld, das einen “Kulturkampf von rechts” betreibt, um gesellschaftliche Diskurse nachhaltig zu verschieben.
Am 29./30. November 2025 soll die neue Jugendorganisation offiziell gegründet werden. Es ist zu erwarten, dass sie sowohl personell als auch ideologisch mindestens ebenso weit rechts und radikal ausgerichtet sein wird wie ihre Vorgängerin.
Zitieren
Recherche Nord: Auflösung der "Jungen Alternative" in Apolda, Apolda, 01.02.2025.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2025-02-01/