"Neue Deutsche Jugend": Neonazi-Demonstration in Essen, NRW
Am 15. März 2025 fand in Essen eine Neonazi-Demonstration unter dem Motto -Remigration schafft Wohnraum und Sicherheit- statt.
Etwa 100 Teilnehmer:innen des Aufmarsches zogen durch die Essener Innenstadt. Mindestens 1000 Menschen beteiligten sich an Gegenprotesten und Aktionen, die an verschiedenen Abschnitten der Route immer wieder in Erscheinung traten.
Aufgerufen wurde durch die noch recht junge Gruppierung -Jung und Stark NRW-, aber auch Vertreter:innen der Partei -Die Heimat- (ehemals NPD) sowie ihrer Jugendorganisation, der -Jungen Nationalisten- (JN) waren maßgeblich an der Organisation des Neonazi-Aufmarsches beteiligt.
Angemeldet wurde die Veranstaltung durch einen -Jung und Stark- Aktivisten aus Essen.
Dieser trat zwar offiziell als Anmelder in Erscheinung, auffällig war jedoch, dass erfahrene Neonazis aus den Strukturen der -Heimat- vor Ort die Organisation und leitende Rollen übernahmen.
Angereiste Teilnehmer aus Dortmund übernahmen etwa Aufgaben als Ordner und versuchten, auf die überwiegend jugendlichen Demonstrant:innen einzuwirken, um das Bild der Demonstration nach ihren Vorstellungen zu gestalten und für Disziplin zu sorgen. Dieses Bild bröckelte jedoch schnell, als einer der Dortmunder Ordner selbst kurzerhand einen Pressevertreter attackierte.
Im Voraus wurde angekündigt, dass ein Alkoholverbot gelten solle und auch das Tragen von Stahlkappenschuhen sowie Jogginghosen untersagt sei. Bereits am Sammelpunkt am Hauptbahnhof waren jedoch Teilnehmer mit alkoholischen Getränken und in Jogginghosen zu sehen.
Als Redner traten neben dem Anmelder aus Essen auch Sascha Krolzig und Claus Cremer in Erscheinung. Beide sind langjährige Kader aus früheren Strukturen der Partei -Die Rechte-, sowie der ehemaligen NPD bzw. nun der -Heimat- und zudem im neonazistischen Kameradschaftsspektrum zu verorten.
Angeführt wurde der Demonstrationszug mit einem Transparent der Partei -die Heimat- und zahlreichen Reichsflaggen.
Nachdem es bereits im letzten Jahr bundesweit vermehrt zu Demonstrationen einer sehr jungen und wachsenden Neonazi-Szene kam, die vor allem durch massive Pöbeleien, Alkoholkonsum und gewalttätiges Auftreten auffielen, machte es bislang den Anschein, dass die bestehende organisierte Szene eher Abstand hielt und das -undiszipliniertes Verhalten- der Jugend öffentlich kritisierte und verspöttete.
Das Zusammenkommen bei der Demonstration in Essen zeigt nun jedoch einmal mehr, dass die etablierten Neonazi-Strukturen aus dem Parteiumfeld der -Heimat- sich mittlerweile bewusst der neuen Jugendbewegung annehmen und Einfluss nehmen wollen. Sie nehmen die jungen Aktivist:innen unter ihre Fittiche und ebnen ihnen somit gezielt den Weg in die eigenen Strukturen.
Der Aufmarsch in Essen, wie auch viele andere Demonstrationen in den letzten Monaten, wurde auch von Jugendlichen besucht, die einen eher erlebnisorientierten Eindruck machen und ideologisch noch nicht als gefestigt einzuschätzen sind.
Dass nun langjährige Akteure der extremen Rechten gezielt versuchen, diese Jugendlichen langfristig für sich und ihre Strukturen zu gewinnen, bedeutet ein enormes Nachwuchs-Potenzial für die Szene.
Zitieren
Recherche Nord: "Neue Deutsche Jugend": Neonazi-Demonstration in Essen, NRW, Essen, 15.03.2025.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2025-03-15/