Zwischen Mobilisierung und Misserfolg: Neonazis demonstrieren gegen den CSD in Bautzen
Am 10. August versuchten Neonazis, den CSD in Bautzen zu stören. Die Anzahl der Teilnehmenden fiel mit einigen hundert Personen deutlich geringer aus als im letzten Jahr, tausende Menschen nahmen hingegen am CSD teil.
Am 10. August versuchten rund 400 Neonazis, den Christopher Street Day (CSD) in Bautzen zu stören.
Im Vergleich zum Vorjahr, als etwa 700 vornehmlich junge, alkoholisierte und weitgehend unorganisierte extrem rechte Personen auftraten, war die Zahl der Teilnehmer*innen in diesem Jahr deutlich geringer.
Ursache dafür dürfte auch eine Professionalisierung und stärkere Strukturierung des rechten Protestes sein. So achteten Ordner gezielt auf das Auftreten der jungen Neonazis, Alkohol war klar verboten.
Federführend traten vor Ort vor allem Die Heimat sowie ihre Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN), die Freien Sachsen sowie die lokale Jugendgruppierung Urbs Turrium auf. Unterstützung kam zudem aus anderen Bundesländern, etwa durch die DJV Berlin.
Eine führende Rolle hatten dabei der „Die Heimat“ und „Freie Sachsen“ Aktivist Stefan Trautmann und seine Partnerin, die unter anderem mit einem Verkaufsstand vor Ort waren. Angeboten wurde Merchandise der JN, der „Heimat“ und der „Freien Sachsen“. Das kommerzielle Interesse an der jungen rechtsextremen Zielgruppe war dabei offensichtlich.
Zunehmend ist eine Annäherung an etablierte extrem Rechte Strukturen zu beobachten. Exemplarisch zeigt sich das an der Struktur von „Deutsche Jugend Voran“ (DJV) rund um Julian Milz, die sich zunehmend in Richtung der JN orientiert.
Antifaschistische Proteste verhinderten den ungestörten Ablauf des rechten Aufmarschs immer wieder. Das wirkte sich spürbar negativ auf die Stimmung innerhalb des extrem rechten Aufmarsches aus. Immer wieder wurden Gewaltfantasien in Richtung der CSD-Teilnehmenden gegrölt.
Ein zentrales Feindbild blieb die Presse. Journalist:innen wurden in ihrer Arbeit wiederholt behindert, bedroht und zum Teil körperlich angegangen. Ein besonders gravierender Vorfall ereignete sich auf der Abreise in Berlin, als Journalist:innen, die zuvor den rechten Aufmarsch begleitet hatten, von Neonazis der DJV attackiert wurden.
Auf der Veranstaltung traten zudem die beiden Rechtsrapper Kai Naggert und Dominik Raupbach auf. Sie nutzten den Auftritt zur Bewerbung ihres neuen Albums – ein Versuch, ihre Musik nach Sperrungen auf Plattformen wie Spotify und YouTube weiterhin zu verbreiten.
Im Vorfeld hatte die Polizei eine Allgemeinverfügung zu den angemeldeten Versammlungen erlassen. Unter anderem war das Marschieren in Formation unter Einsatz einheitlicher Fahnen untersagt worden. Vor Ort hielt sich jedoch kaum jemand an diese Auflagen.
Zitieren
Recherche Nord: Zwischen Mobilisierung und Misserfolg: Neonazis demonstrieren gegen den CSD in Bautzen, Bautzen, 10.08.2025.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2025-08-10/