Nationalhymnen-Jubiläum mit der Heimat in Staufenberg
Neonazis marschieren nicht nur, sie singen sich ihren „Widerstand“ auch zusammen: In Staufenberg (Hessen) versammelten sich Neonazis, darunter ein AfD-Gründungsmitglied, um gegen die bestehende gesellschaftliche Ordnung zu demonstrieren.
Am 26. August fand im hessischen Staufenberg eine Kundgebung der neonazistischen Partei “Die Heimat” und ihrer Jugendorganisation “Junge Nationalisten” (JN) statt. Anlass war der Aufruf, vor dem dortigen Rathaus öffentlich alle Strophen des “Deutschlandliedes” zu singen.
Staufenberg ist für die rechtsextreme Szene kein neuer Schauplatz: Bereits im November zog “Die Heimat” durch den Stadtwald zum sogenannten Immelmann-Denkmal.
Dort inszenierten die Neonazis ein Gedenken mit Kranzniederlegung und dem gemeinsamen Singen des “Deutschlandliedes”. Das umstrittene Denkmal erinnert an das NS-Sturzkampfgeschwader “Immelmann” und wird seit Jahrzehnten von Rechtsextremen als Ort ihrer politischen Inszenierung genutzt.
Die damalige Versammlung von “Die Heimat” in Staufenberg geriet ins Visier der Polizei. Nach einem Aufmarsch zum “Immelmann-Denkmal” sangen die Neonazis alle drei Strophen des “Deutschlandliedes”. Daraufhin beendete die Polizei die Veranstaltung und nahm die Personalien der Teilnehmer auf.
Auslöser für die erneute Kundgebung war der Streit um das “Deutschlandlied”. Die Neonazis wollten die vorangegangene polizeiliche Auflösung ihrer Versammlung nicht auf sich beruhen lassen.
Stattdessen nahmen sie den 185. Jahrestag der Entstehung des Liedes – Hoffmann von Fallersleben verfasste es 1841 – zum Anlass für eine politische Inszenierung vor dem Staufenberger Rathaus.
Dass es um mehr als das “Deutschlandlied” ging, machten die Neonazis – darunter ein AfD-Gründungsmitglied – unmissverständlich klar. Sie stilisierten es zum Widerstandsbekenntnis gegen die bestehende Ordnung.
In Redebeiträgen wurden Andersdenkende von einem AfD-Gründungsmitglied als “Parasiten” bezeichnet und die Überwindung eines sogenannten “Schuldkults” gefordert. Hinter der Chiffre steht die rechtsextreme Forderung, die Erinnerung an die NS-Verbrechen zu tilgen, Deutschlands historische Verantwortung abzustreifen und die NS-Diktatur ideologisch zu rehabilitieren.
Im historischen Nationalsozialismus wurde der Vergleich von Jüdinnen:Juden, Sinti und Roma oder anderen Feindbildern mit Parasiten oder anderen Tieren ebenfalls genutzt, um diese zu entmenschlichen und ihre Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung moralisch zu rechtfertigen.
Wie nah diese Ideologie an offener Gewalt liegt, zeigte auch ein zur Schau getragenes Bekenntnis zur rechtsterroristischen Gruppe “Knockout 51”. Die hier auf einem Tshirt gezeigte Chiffre “Einundfünfzig"steht für eine Organisation, deren Mitglieder Anschläge auf politische Gegner planten.
Als historisches Widerstandssymbol wurde auch Theodor Körner vereinnahmt, der im Lützowschen Freikorps gegen die napoleonische Besatzung kämpfte. Rechtsextreme übertragen dessen Kampf auf die Gegenwart und verklären ihn zum Vorbild für ihren eigenen “Widerstand” – eine politische Geschichtsklitterung, die historische Zusammenhänge bewusst ausblendet.
Zitieren
Recherche Nord: Nationalhymnen-Jubiläum mit der Heimat in Staufenberg, Staufenberg, 26.08.2026.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2026-08-26-s/