Neonazitreffen: Offener Abend in Dortmund
Am 30. Oktober fand in Dortmund erneut ein sogenannter „Offener Abend“ der Neonaziszene statt.
Am 30. Oktober lud die Dortmunder Neonaziszene erneut zum sogenannten „Offenen Abend“. Hinter dem vermeintlich unverfänglichen Namen steckt gezielte Nachwuchsarbeit:
Hier sollen Jugendliche und Interessierte an die lokalen neonazistischen Strukturen herangeführt und für die Szene gewonnen werden. Das Ziel: die nächste Generation von Neonazis heranzuziehen.
Der „Offene Abend“ ist dabei auch ein Ort der Selektion: Während viele Jugendliche zunächst in die “Erlebniswelt Neonazismus” eintauchen und Teil der Subkultur werden, wird gezielt ausgesiebt, wer sich später für eine feste Einbindung in die Organisations-strukturen eignet.
Doch auch jene Jugendlichen, die nicht in den festen Organisationskern aufsteigen, bleiben Teil der Strukturen: Sie werden ideologisch gefestigt, bewegen sich in einer gewaltbereiten neonazist-ischen Subkultur, sind mobilisierbar und tragen diese “Erlebniswelt” weiter. Auch sie sind Teil des Netzwerks – und können weitere Jugendliche in die Szene ziehen.
Das junge Alter des Nachwuchses ist für die Neonaziszene von strategischer Bedeutung. Gezielt wird auf jugendlichen „Sturm und Drang“ und eine Risikobereitschaft gesetzt, den öffentlichen Raum aggressiv zu besetzen und die Konfrontation zu suchen.
Wie die bundesweiten Entwicklungen der vergangenen Monate zeigen, mündet diese Radikalisierung mancherorts zunehmend in schwerste Gewalt – von Brandanschlägen bis hin zu versuchten Tötungsdelikten.
Gleichzeitig zeigen sich zunehmende Normalisierungstendenzen und deutliche Abnutzungserscheinungen in der öffentlichen und medialen Wahrnehmung.
Die Dauerpräsenz neonazistischer Aktivitäten birgt die Gefahr einer schleichenden Normalisierung: Rekrutierungsarbeit, rechte Propaganda und Gewalt drohen zur gesellschaftlichen Gewohnheit zu werden.
Zudem ist die zunehmende Vernetzung der “klassischen” Neonaziszene mit anderen rechten Netzwerken von Bedeutung.
So wird gezielt der Schulterschluss mit Strukturen wie der „Generation Deutschland“, der Jugendorganisation der AfD, gesucht. Die Grenzen zwischen organisierter Neonaziszene und anderen, parteipolitisch verankerten rechten Jugendstrukturen werden dadurch zunehmend durchlässig.
Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass auch Streamer aus dem AfD-Umfeld beim jüngsten „Offenen Abend“ vor Ort waren, um über die Aktivitäten und Strukturen der Dortmunder Neonaziszene zu berichten. Die Präsenz zeigt, wie eng sich die Milieus inzwischen begegnen und gegenseitig Öffentlichkeit verschaffen.
Die Entwicklungen verdeutlichen, wie wichtig eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der neonazistischen Nachwuchsarbeit und ihren Strukturen ist.
Neonazistische Strukturen reichen weit über feste Kader hinaus. Umso wichtiger ist es, ihre Netzwerke, Rekrutierungswege und jugendlichen Szenemilieus sichtbar zu machen und ihrer Normalisierung entgegenzuwirken.
Zitieren
Recherche Nord: Neonazitreffen: Offener Abend in Dortmund, Dortmund, 30.10.2026.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2026-10-30/