Der AfD Landesvorsitzender Brandenburg und die HDJ
Die "Heimattreue Deutsche Jugend" (HDJ) galt bis zu ihrem Verbot im März 2009 als die bedeutenste Untergrundorganisation der Neonaziszene.
So war Andreas Kalbitz, seines Zeichens Landesvorsitzender der AfD-Brandenburg Teilnehmer an einem sogenannten Pfingslager HDJ im niedersächsischem Eschede. Das mehrtägige Zeltlager im Mai 2007 wurde von rund 200 Anhänger*innen, darunter nahezu die komplette HDJ-Führungsriege, besucht. Kalbitz (hier während des Zeltlagers) teilte auf Nachfrage mit: “Eine Teilnahme an dieser Veranstaltung der HDJ vor elf Jahren ist mir nicht mehr erinnerlich, aber nicht ausgeschlossen, da ich eine Vielzahl verschiedenster Veranstaltungen besucht habe.” Wie Bilder des Zeltlagers zeigen ist die Teilnahme von Kalbitz tatsächlich nicht ausgeschlossen.
Bei dem Gelände im Mai 2007 handelte es sich um das Anwesen des NPD-Funktionärs Joachim Nahtz. Bis heute wird das abgelegene Grundstück für Veranstaltungen der Neonaziszene genutzt.
An dem konspirativ organisiertem Zeltlager nahmen neben etlichen Kleinkindern und Jugendlichen auch Anhänger*innen der NPD und ihrer Jugendorganisation teil.
Zum Rahmenprogramm des “HDJ-Pfingstlahgers” gehörte auch ein sogenannter “Germanischer Mehrkampf”
Die “Heimattreue Deutsche Jugend” (HDJ) wurde im Jahr 2009 aufgrund ihrer Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus und einer aktiv-kämpferischen Grundhaltung vom damaligem Bundesinnenminister verboten. Zu ihrem Reportoire gehörten neben paramilitärisch anmutenden Zeltlagern, Märschen und Ausflügen auch sogenannte “Rasseschulungen”.
Bilder eines 2006 durchgeführten HDJ-Zeltlagers in Fromhausen (Westfalen). An einem Zelteingang prangte ein Schild mit der Aufschrift “Führerbunker”.
Die HDJ gilt dabei als elitärer Zusammenschluß der NEonaziszene. Außenstehende finden hier kaum Zugang. Ihre Veranstaltungen wurden konspirativ organisiert und zumeist im Verborgendem durchgeführt.
Schon seit längerem gibt es Berichte über Verbindungen von Kalbitz (hier während des HDJ-Zeltlager 2007 in Eschede) in die rechtsradikale Szene. So schrieb der Tagesspiegel, im Brandenburger Landtag kursiere für Kalbitz der Spitzname “kleiner Himmler”. Von 2014 bis 2015 war Kalbitz Vorsitzender des rechtsextremen Vereins “Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit”, der 1985 von einem ehemaligen, hochrangigen SS-Mitglied gegründet wurde
Kalbitz war im April 2017 auf Alexander Gauland (hier im Bild) als Landesvorsitzender der AfD Brandenburg gefolgt.
Alexander Gauland scheint dabei nur wenig Berührungsängste mit solcherlei Verbindungen zu hegen. Verbindungen wie zu Andreas-Dieter Iloff (links im Bild), seines Zeichens Kreisvorsitzender der AfD im Landkreis Diepholz.
Der gelernte Hufschmied Andreas-Dieter Iloff gehört zu den Gründungsmitgliedern der rechtsradikalen Vereinsorganisation “Freundeskreis Deutschland” sowie dem “Gemeinschaftswerk Auehof”. Beide Organisationen sind darauf ausgerichtet völkisch-neonazistisches Gedankengut im kulturellen Bereich zu verbreiten und wurden unter anderem durch den Verfassungsschutz beobachtet.
Darüber hinaus diente das Grundstück von Andreas-Dieter Iloff in der Vergangenheit als Treffpunkt und Veranstaltungsort. So fand unter vielen anderen am 21.12.2013 eine Wintersonnenwendfeier auf dem Anwesen statt. Unter den Teilnehmerinnen befanden sich auch ehemalige Anhängerinnen der vom Bundesinnenministerium verbotenen “Heimattreuen Deutschen Jugend” (HDJ).
Der brandenburgische AfD-Landesvorsitzende Andreas Kalbitz sieht zumindest im Bezug auf seine Teilnahme an dem HDJ-Zeltlager im Mai 2007 keinen Erklärungsbedarf. So teilte er mit: “Ich war als Gast dort, mutmaßlich, um mir das mal anzuschauen. Ich sehe da kein Problem.”
Bereits vor kurzem wurde bekannt das die niedersächsische AfD-Landtagsfraktion ein Arbeitsverhältnis mit Hildburg Meyer-Sande (Bildmitte) unterhät. Bei Meyer-Sande handelt es sich um eine Aktivistin der “Identitären Bewegung” (IB). Doch damit nicht genug: Im Februar 2009 nahm sie zusammen mit Anhänger*innen der “Heimattreuen Deutschen Jugend” (HDJ) an einem geschichtsrevisionistischen Trauermarsch in Dresden teil.
Die Verbindungen von Andreas Kalbitz dürften dabei nicht die letzten Verbindungen der “Alternativen für Deutschland” (AfD) ins neonazistische Milleu sein.
Das Andreas Kalbitz bislang kein Problem mit seiner Teilnahme an einem HDJ-Zeltlager sieht, bei dem bereits Kleinkinder mittels einer völkisch-neonazistischen Erlebniswelt indoktriniert wurden, läßt zumindest tief blicken.
Zitieren
Recherche Nord: Der AfD Landesvorsitzender Brandenburg und die HDJ, 07.03.2018.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/andreas-kalbitz/