Bildungsarbeit von Rechtsaußen: Seminar von Metapol in Guthmannshausen
Am 01. Juli 2023 fand im thüringischen Guthmannshausen eine als Seminar deklarierte Schulungsveranstalung der Neonazi-Szene statt.
Am 01. Juli 2023 fand im thüringischen Guthmannshausen eine als Seminar deklarierte Schulungsveranstalung der Neonazi-Szene statt. Der Veranstaltungsort war nicht zufällig gewählt, die “Gedächtnisstätte Guthmannshausen” ist ein bundesweit genutzter Veranstaltungsort für Geschichtsrevisionist:innen, Holocaustleugner:innen, weltanschaulich gefestigte Nationalsozialist:innen - und solche, die es werden wollen.
Bei der Schulungsveranstaltung handelte es sich um ein “Seminar für rechte Metapolitik” von “Metapol”, einer selbsternannten Denkschmiede der Neonazi-Szene. Diese verstehen sich als Organisationsplattform für einschlägige Bildungsarbeit am rechten Rand.
Metapol führt diese Seminare regelmäßig im ganzen Bundesgebiet durch, darunter das jährlich stattfindende “Seminar für rechte Metapolitik”, welches bundesweit beworben wird, und verschiedene lokale Schulungsveranstaltungen.
Welche Zielsetzungen diese Veranstaltungen haben, daran lassen die Neonazis hinter Metapol keinen Zweifel: Es geht um das Knüpfen und Sammeln von Netzwerken, man versteht sich hier als “Rückzugsraum”, in “Vorbereitung auf den Sturm”, als “Geschoss, das erbarmungslos voranpeitscht”.
Metapol versucht seit einigen Jahren, sich in den rechten Strukturen zu etablieren. So waren sie bereits 2017 beim “Institut für Staatspolitik” (IfS) in Schnellroda zugegen. Die Organisatoren von Metapol bewegten sich in der Vergangenheit allesamt in den Strukturen der NPD-Jugendorganisation “Junge Nationalisten” (JN), und waren dort unter anderem für Bildungs-, Schulungs- und Propagandatätigkeiten zuständig.
Ein Teil der Metapol-Führungskader treten bei Metapol und in der Öffentlichkeit lediglich unter Pseudonymen auf. Man scheint sehr bemüht um Anonymität, um beruflich und privat nichts zu riskieren.
So zum Beispiel Steffen Nickel (links im Bild). Nickel bewegte sich in der Vergangenheit ebenfalls in den Strukturen der NPD-Jugend und kann auf Erfahrung im Vertrieb einschlägiger Schriften zurückblicken. So betrieb er einen Buchhandel, der Bücher über “Rassenkunde des jüdischen Volkes” oder “Mein Kampf” von Adolf Hitler vertrieb. Auch war er verantwortlich für das JN-Regionalblättchen “Jugend-Wacht”. Nickel wechselte zwar die Organisation, aber nicht seine politischen Inhalte. Diese betreibt er nun mit anderen unter dem Label “Metapol”.
Auch der ehemalige JN-Bundes-Schulungsleiter Pierre Dornbrach wird dem Führungskreis von Metapol zugerechnet. Auch Dornbrach legt großen Wert auf Anonymität und tritt lediglich unter dem Pseudonym “Peter Steinborn” auf. Dieses Pseudonym verwendet er sowohl als Referent für interne Seminare als auch für seine Autorentätigkeit in der an Metapol angegliederten Zeitschrift “Agora Europa”.
Auch bei einer Strategietagung der AfD-Jugend war Dornbrach für Metapol im Frühjahr eingeladen.(Quelle: Instagram JA Niedersachsen)
Dornbrach stellte dort prominent die Arbeit von Metapol in einem Vortrag vor und empfahl Metapol für die strategische Bildungs- und Schulungsarbeit der “Jungen Alternative” (JA) bundesweit. An der Veranstaltung im niedersächsischen Höfen bei Uchte nahm die AfD-Jugend aus mehreren Bundesländern teil, darunter Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Hessen, Thüringen und Brandenburg. Auch Vertreter:innen aus dem Bundesvorstand waren zugegen.
Ähnlich wie bei der nun stattgefundenen Veranstaltung in Guthmannshausen gab es bei dieser JA-Strategietagung im Februar diesen Jahres Bücher- und Informationsstände - auch von Metapol. Der AfD-Jugend wurde ein Teil der Metapol-Publikationen vorgestellt. Darunter befand sich auch, wie Bilder belegen, das rassistische Machwerk “Der weiße Ethnostaat”, das sich dem Fortbestand einer herbeiphantasierten “weißen Rasse” widmet.
Am ersten Juliwochenende in Guthmannshausen war die (kritische) Öffentlichkeit nicht gern gesehen. Morgens wurde direkt Bauzäune mit Sichtschutz aufgebaut.
Unterstützt wurden die Strukturen rund um Metapol von Neonazis, die sich derzeit um den Erhalt und Ausbau der “Gedächtnisstätte” kümmern. Dass auch diese sich ideologisch nicht weit entfernt vom weltanschaulichen Fundament von Metapol befinden, war leicht erkennbar.
Als Referenten waren Martin Kohlmann (Freie Sachsen), Erik Lehnert (Institut für Staatspolitik) sowie Peter Feist (extrem rechter Autor) geladen. Auch Peter Steinborn alias Pierre Dornbrach hielt während des Seminars einen Vortrag. Der Rechtsanwalt und Burschenschaftler Björn Clemens war ebenfalls angekündigt - Clemens hatte zuletzt ein Buch im angegliederten Verlag veröffentlicht.
Organisator:innen und Teilnehmer:innen waren nicht nur ideologisch eng vernetzt: Bereits wenige Minuten nach der Wahrnehmung von anwesenden Journalist:innen gab es eine Warnung an die Anreisenden. Daraufhin vermummten sich Teilnehmer:innen bereits in ihren Fahrzeugen und machten zum Teil ihre Nummernschilder unkenntlich. Auch wurde ein Teil der Anreisenden (z.B. Björn Clemens) über einen separaten Feldweg aufs Gelände geleitet.
An dem Seminar zum Thema “Rechte Staatsführung” von Metapol nahmen Vertreter:innen verschiedener Organisationen aus dem extrem rechten bis offen neonazistischen Spektrum teil. Darunter: Institut für Staatspolitik, Freie Sachsen, NPD sowie deren Jugendorganisation Junge Nationalisten, Der III. Weg, Identitäre Bewegung, sowieo vermutlich auch der AfD/Junge Alternative teil.
Zitieren
Recherche Nord: Bildungsarbeit von Rechtsaußen: Seminar von Metapol in Guthmannshausen, Guthmannshausen, 01.07.2023.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2023-07-01-g/