Hier wird Volksverhetzung noch groß geschrieben. Rechtsrock-Konzert in Eisenach)
Am Sonntag, den 17. September 2023 versammelten sich erneut Neonazis im thüringischen Eisenach um an einem Rechtsrock-Liederabend teilzunehmen.
Am Sonntag, den 17. September 2023 versammelten sich erneut Neonazis im thüringischen Eisenach um an einem Rechtsrock-Liederabend teilzunehmen.
Die Veranstaltung fand im so genannten “Flieder Volkshaus”, der thüringischen Landeszentrale der Neonazi-Partei “Die Heimat” (ehemals NPD) statt.
Bereits Stunden vor dem eigentlichen Veranstaltungsbeginn erschien mit Patrick Weber (links im Bild) einer der mutmaßlichen Mitveranstaler des Rechtsrock-Konzerts. Weber, der unter anderen für die Neonazi-Partei “Die Heimat” die Aufgabe des Schatzmeisters im Landesverband Thüringen übernimmt, gilt als bestens vernetzt mit der Rechtsrock-Szene. Ein Umstand der nicht verwundert: ist doch der Verkauf von Rechtsrock-Musik eines der Geschäftszweige von Patrick Weber.
Patrick Weber (hier rechts im Bild auf einem Rechtsrockfestival 2018 in Themar) verantwortet den “Germania-Versand” - einem Versandhandel, der ein neonazistisches Publikum als vordergründige Zielgruppe hat. Weber präsentiert sich dort als “Bewegungs-Unternehmer”, einen Neonazi, der erwirtschaftete Mittel wieder in den Strukturaufbau fliessen lässt.
Ein nicht unerheblicher Teil der dort erzielten Einnahmen dürfte allerdings auch in sein Fahrzeug geflossen sein. Aus diesem wurde nach der Ankunft Webers entsprechende Verkaufsmaterialien in die Räumlichkeiten gebracht. Mit dabei auch der derzeitige thüringische Landesvorsitzende der Partei “Die Heimat”, Patrick Wieschke (Bildmitte).
An der nun stattgefundene Veranstaltung nahmen insgesamt etwa 100 Neonazis und ihre Unterstützer*innen teil. Ausverkauft war es bereits wenige Stunden nachdem das Konzert in den Sozialen Medien beworben wurde.
Wieschke, hier rechts im Bild, übernahm während der Veranstaltung die Rolle des Veranstalters.
Vor wenigen Wochen fand im “Flieder Volkshaus” bereits eine andere Veranstaltung statt. Dort wurde die 9jährige Nutzung der Räumlichkeiten gefeiert. Zu diesem Zweck wurden mit Plakaten eine “Ausstellung” erstellt. (Im Hintergrund).
Die eigentliche Anreise begann dann kurz vor 18:00 Uhr.
Die Veransatltung war geprägt durch die offene Zurschaustellung neonazistischer Weltanschauung. Zahlreiche Besucher*innen trugen im Verlauf des Abends einschlägige Insignien zur Schau - zum Teil mit volksverhetzenden Charakter. Aufgrund der polizeilichen Einstufung als Gefahrengebiet fanden zwar umfangreiche Personenkontrollen im Umfeld des “Flieder Volkshauses"statt - doch diese erkannten nur einen Bruchteil der neonazistischen Propagandainhalte.
Zu der ersten Reisegruppe am Ort des Geschehens gehörte auch Christian Klar (links im Bild) aus Gera. Dieser gehört zu den Organisator*innen der selbsternannten Bürgerinitiative “Miteinanderstadt Gera”. Zuletzt gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Vereinsorganisation “Aufbruch Gera” - einer Gruppierung in der sich vor allem unzufriedene und ehemalige Mitglieder der AfD sammeln.
Berührungsängste zum organisierten Neonazismus hat Christian Klar nicht. Von ihm organisierten Veranstaltungen werden regelmäßig von Neonazis unterstützt.
Ein offener Bezug zur Hitler-Jugend, wie auf diesem Shirt der Rechtsrock-Band “Heilige Jugend” stellte aus Sicht der Sicherheitsbehörden kein Problem dar. Ein Bezug zum Nationalsozialismus könne nicht festgestellt werden, hieß es.
Auch Christian Klar von “Miteinander Gera” hielt sich mit eindeutigen politischen Statements nicht zurück. Der Aufdruck auf seinem Shirt verweisst auf das rassistische Apartheids-Regime in Südafrika in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Personenkontrollen hielten bis zum Beginn der Veranstaltung an. Nachdem das Rechtsrock-Konzert begonnen hatte, zog auch ein Großteil der eingesetzen Polizeikräfte, wie bereits bei vorangegangenen Veranstaltungen im “Flieder Volkshaus” aus der direkten Umgebung ab. Auch dies scheinbar ein “völlig normaler” Vorgang bei Rechtsrock-Konzerten in Eisenach.
Etliche Teilnehmende traten mit strafrechtlich relevanten Erkennungszeichen in Erscheinung. Viele davon in Form von Tätowierungen. Auch hier wurde nur ein Bruchteil der neonazistischen Symbolwelt durch die Einsatzkräfte der Polizei erkannt. So konnte während der eigentlichen Veranstaltung offen neonazistische Erkennungszeichen zur Schau gestellt werden. Auf eine Kontrolle im Inneren der Räumlichkeiten wurde im Verlauf der Konzert-Veranstaltung verzichtet.
Der Neonazi Michael Regener während seiner Ankunft. Regener, der insbesondere innerhalb der Neonaziszene unter dem Namen “Lunikoff” in Erscheinung tritt, war der angekündigte “Liedermacher” des Abends.
Zitieren
Recherche Nord: Hier wird Volksverhetzung noch groß geschrieben. Rechtsrock-Konzert in Eisenach), Eisenach, 17.09.2023.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2023-09-17/